■ 17. bis 29. Juli
Europa!

www.herrenchiemsee-festspiele.de

Seit 2000 ist Enoch zu Guttenberg Intendant und künstlerischer Leiter des internationalen Musikfestivals „Herrenchiemsee – Festspiele am Hof Ludwigs II.“. Die Festspiele haben sich seitdem zu einer Institution im internationalen Musikleben entwickelt: zu einem Konzeptfestival von unverwechselbarem Profil und höchstem künstlerischen Anspruch. Denn Richtmaß der Programmgestaltung war stets die besondere Magie des Ortes mit seiner eineinhalb Jahrtausende umspannenden klösterlichen Tradition, dem weltberühmten Königsschloss und der Geburtsstätte des Grundgesetzes.

2018 stehen die Festspiele unter dem Motto „Europa!“ Die Geschichte des Kontinents, die in einem Mythos wurzelt, der von Liebe, Raub und Unterwerfung erzählt und den Exegeten immer wieder Rätsel aufgegeben hat, ist grausam und von Schreckensszenarien durchzogen. Christentum und „Aufklärung“ haben sich hier, über Grenzen hinweg den Gemeinsinn unter den vielen verschiedenen Völkern prägend, entfalten können. Viel Blut ist in Europa geflossen, immer gab es Zwist und Krieg, denken wir nur an den 30-jährigen Krieg, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, an den Holocaust. Was wäre noch Schrecklicheres denkbar?

Doch immer wieder gab es in Europa nach verheerenden Verwüstungen Auferstehung, Aufbrüche, Veränderungen und neue Menschen- und Weltbilder, was dann in der Folge zu neuen Kulturen und Blütezeiten geführt hat. Wie konnte es sein, dass nach dem 30-jährigen Krieg so viel Neues geschaffen, die Welt neu gestaltet wurde und in einem so jubelnd gepriesenen glanzvollen Licht erscheinen konnte. Ein einzigartiger Drang nach Erkenntnis, nach Schönheit und sinnlichem Erleben, nach Würde des Daseins, nach Bildung und Neugestaltung von Lebensregeln und -formen entstand. Die kulturellen Zeugnisse aus Architektur, aus Bildender Kunst sowie Literatur und Musik machen uns Staunen!

Bach und Händel, Vivaldi, Haydn, Mozart, Beethoven und viele mehr stehen für den Willen und die Fähigkeit des Menschen, Leben und Sinngebung des Lebens zu gestalten – und dies aus dem Glauben heraus, dass in der Schöpfung selbst ein Vater und eine Mutter dafür sorgen, dass die als göttlich gegebene Natur des Menschen aus Herz und Verstand den richtigen, den „rechten Weg“ schon finden werde. Was haben die Menschen nicht alles erschaffen, um diesen Weg in die Erfüllung des Lebens zu wagen und zu gehen? Unsere oft beschworene „Klassische Musik“ mit ihren so vielfältigen Phänomenen und ihrer beispiellosen Entwicklungsdynamik steht für Europa; sie steht für die vielen Wunden, die aus dem Raub und der Vergewaltigung – oder war es vielleicht doch ein von beiden gewollter Liebesakt? – entstanden sind. Sie steht für eine grandiose Entwicklung im Wandel der Zeiten, hervorgegangen aus Glauben und Zweifel, aus Hoffnungen und Rückfällen, aus Visionen und Taten; sie steht für den Menschen in individueller wie zugleich sozialer Existenz sowie für den Anspruch, den Menschen aus würdeloser Existenz zu befreien und in ein freies und menschliches Leben in sozialer Gemeinschaft zu entlassen. 

Foto: Spiegelsaal Schloss Herrenchiemsee c) Veranstalter

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