■ 10. Juni bis 5. August 2018
»Läuft bei uns!«

www.gandersheimer-domfestspiele.de

Seit 60 Jahren läuft der Betrieb der Gandersheimer Domfestspiele, hat viele Höhen und Tiefen durchlebt, einige Intendanten und damit unterschiedliche künst­lerische Profile gesehen. „Läuft bei uns“ lautet daher das Spielzeitmotto der 60. Gandersheimer Domfestspiele. Es soll bewusst provozieren und klarstellen, dass sich ein Theaterbetrieb nicht von allein am Laufen hält. Intendant Achim Lenz wird es auch in seinem zweiten Jahr als künstlerischer Leiter ein großes Anliegen sein, die Domfestspiele als kulturellen Leuchtturm in Südniedersachsen zu festigen und auf eine stabile Grundlage für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zu stellen.

FESTIVAL MAGAZIN: Herr Lenz, Sie werden The Addams Family inszenieren. Was wird das Tollste an dieser Aufführung mit der schrulligen Monster-Sippe?
ACHIM LENZ: Dass das Stück alles vereint, was ich sehr mag: mitreißende Musik, Tanz und verrückte Dialoge.

Ist das auch das Profil der Domfestspiele: gute Unterhaltung mit viel Witz und die Kombinationen von Schauspiel, Musik und Tanz?
Wir bieten ein breitgefächertes Programm an, damit wir als Festspielort überleben können – hier auf dem Land, wo kulturell wenig passiert und wir es trotzdem schaffen, dass jedes Jahr mehr als 50.000 Zuschauer kommen. Die Domfestspiele haben eine starke literarische Tradition, deshalb gibt es stets ein Schauspiel. Das kleiden wir in ein neues Gewand und bringen es den Menschen dadurch näher – dieses Mal Jedermann. Dazu ein Tanzmusical, eine Musical-­Comedy und ein Kinder- und Familienstück.

Ist es schwierig, Publikum ins kleine Bad Gandersheim zu locken?
Wir haben einen guten Ruf. Die Leute reisen aus einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern an. Viele kommen aus den umliegenden Großstädten, aus Göttingen, Hannover, Braunschweig. Wir bieten ein anderes Theater als die Stadttheater dort. Bei uns gibt es Events, wir ermöglichen einen schönen Sommerabend, sind ein Ausflugsziel.

Wie wichtig ist es, dass die Domfestspiele vernetzt sind mit den Hoteliers, Gastronomen und touristischen Anbietern?
Das ist ein großes Thema, denn die Infrastruktur schrumpft. Es gibt nur wenige Hotels und Restaurants. Die meisten Leute kommen zu den Aufführungen und gehen dann wieder. Wir wollen sie aber auch begeistern für diese schöne Stadt und ihre Umgebung. Das südliche Niedersachsen sieht im Sommer ein bisschen aus wie die Toskana mit den sanften Hügeln am Rande des Harzes. Ich kann allen nur raten zu verweilen. Es geht bei uns am nächsten Tag ja weiter, wir haben auch ein Rahmenprogramm mit Konzerten und in der zweiten Spielstätte in einem alten Kloster ein WM-Nebenprogramm mit den Stücken Bier für Frauen und Die Maradona Variationen. Und die Kultur lässt sich kombinieren mit einem touristischen Programm.

Was ist denn das Besondere am Freilichttheater, zumal vor einer Kulisse wie der Stiftskirche in Bad Gandersheim?
Man erlebt hier den ursprünglichen Charakter von Theater. Es bringt alle zusammen, ist Teil des städtischen Lebens. Im Zentrum versammeln sich tausend Menschen unter freiem Himmel, es gibt eine Festspielgastronomie, zwei Häuser weiter sind die Garderoben, die Maske. Die Darsteller gehen von dort durchs Publikum hindurch zur Bühne. Die Zuschauer kriegen den Theaterbetrieb hautnah mit. Nach der Vorstellung sitzt man noch auf ein Bier zusammen, kann die Darsteller ansprechen. Das ist ein großer Spaß.

Die Einheimischen sind also stolz auf ihre Festspiele?
Ja, sehr. Wir haben ein treues Publikum. Sie wissen das Angebot zu schätzen in einer Region, in der es sonst kein Theater gibt. Deshalb habe ich auch eine Stelle für eine Theaterpädagogin geschaffen. Sie arbeitet mit Kindern und mit einer Laiengruppe, wodurch die Menschen stärker eingebunden sind.

Auch ein Jugendtheater-Festival ist integriert.
Ja, denn wir müssen für die Zukunft des Theaters sorgen. Unsere Spielzeit beginnt mit einem großen Fest, da zeigen wir auch Ausschnitte aus unseren Inszenierungen. Und es sind Jugend-Theatergruppen eingeladen, die während der fünf Tage ein Stück erarbeiten und es dann vor der Stiftskirche zeigen. Hinzu kommt, dass es von Peter Pan und Jedermann viele Schulaufführungen gibt. Laut einer neuen Studie haben auf dem Land lebende Kinder höchstens einmal im Jahr Kontakt mit Theater. Das ist beunruhigend. Weil Theater so vieles vereint: Literatur, Musik, Ästhetik und auch Bewegung. Eine wichtige sinnliche Erfahrung.

Interview: Stefan Fischer

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