■ 18. bis 30. Juli
»Von Gott und Göttern – Barocke Wege«

www.herrenchiemsee-festspiele.de

Wege der Entdeckungen, in eine Zukunft des Neuen, aus Wandel und Revolutionen, aber auch aus Vielfalt und Einheit. Die Welt des Barock! Eine Aufbruchszeit! Es war eine Zeit des Glanzes und eines neuen Klangs. Die Welt gewann an Weite. Doch die Welt der Menschen sah anders aus: „ein Wohnhaus grimmer Schmerzen. Ein Ball des falschen Glücks … Schauplatz aller Angst und Widerwärtigkeit" (Andreas Gryphius).

Im Jahr 2000 erprobten Enoch zu Guttenberg und sein Dramaturg Klaus Jörg Schönmetzler mit einem siebentägigen „Bachfest“ die Eignung der Spiegelgalerie des Königsschlosses Herrenchiemsee als Konzertsaal. 2001 entstanden daraus die Internationalen Herrenchiemsee Festspiele. Die Festspiele sind dem genius loci, dem einzigartigen Charakter ihrer Aufführungsstätten, in besonderer Weise verpflichtet. Denn die Herreninsel ist als einer der wichtigsten kulturhistorischen Standorte Deutschlands weit mehr als nur die romantische Kulisse für ein weltbekanntes Königsschloss. So zählen die Chiemsee-Inseln zu den frühesten belegten Siedlungsräumen des bayerischen Voralpenlandes. Um 630 entstand auf Herrenchiemsee eine Klosteranlage – eine der ersten nördlich der Alpen. Um 770  ließ dann Herzog Tassilo III. zwei ausgedehnte Klosteranlagen errichten: ein Benediktinerinnenkloster auf der Fraueninsel; sowie einen Neubau des bestehenden Männerklosters auf der Herreninsel. Die Namen beider Orte spiegeln bis heute diese klösterliche Tradition. Beide Klöster schrieben Geschichte. Von Herrenchiemsee brachen die Mönche Kyrill und Method auf, um die Christianisierung Osteuropas zu betreiben. Als eine der ersten Äbtissinnen von Frauenchiemsee wirkte Irmingard, die Tochter Ludwigs des Deutschen, deren Seligsprechung zugleich die zentrale Bedeutung des Klosters für die Kulturs Altbayerns dokumentiert.

Bis in die napoleonische Zeit beherrschte das Bistum Chiemsee die Region als religiöses und künstlerisches Zentrum mit bedeutender Musiktradition. 1676 schuf Lorenzo Sciasca mit dem 1803 zerstörten Inseldom eine der ersten großen Barockkirchen italienischen Stils nördlich der Alpen. Ludwig II schließlich erwies sich als ökologisch denkender Monarch, indem er die Insel 1873 für das Königreich Bayern erwarb und damit die uralten Baumbestände in letzter Minute vor dem Abholzen bewahrte. Ein weiteres Mal schrieb der Ort im Jahr 1948 Geschichte, als hier der Verfassungskonvent tagte, der Deutschland nach der Barbarei der Nazidiktatur ihre demokratische Rechtsgrundlage gab.

Als 1803 im Zug der Säkularisation die Klöster gewaltsam aufgehoben wurden, gestaltete sich die Schicksal beider Inseln extrem unterschiedlich. Auf Frauenchiemsee gründete sich 1828 eine der ersten Künstlerkolonien Deutschlands. Das Kloster wurde in seine Rechte wieder eingesetzt und besteht bis heute. Grandiose Baudenkmäler - darunter die karolingische Torhalle und das romanische Münster - bezeugen die Kontinuität einer zwölfhundertjährigen Kultur. Die Herreninsel hingegen verwaiste, wurde zerstört und ausgeplündert, bis Ludwig II. sie für das Königreich Bayern erwarb und sein Traum-Versailles in Gestalt des Schlosses Herrenchiemsee errichtete: eine "Festung der Einsamkeit", die nach dem Willen des Erbauers niemand außer ihm und seiner Dienerschaft betreten sollte.

Die jährlich im Sommer stattfindenden Festspiele folgen einer inhaltlich stringenten Konzeption, die ihre Legitimation aus dem Ort – dem Schloss Herrenchiemsee – sowie aus der Ambivalenz der Persönlichkeit des Bayernkönigs Ludwig II. bezieht. Die ersten Festspiele Herrenchiemsee fanden im Jahr 2000 als Bachfest zu Johann Sebastian Bachs 250. Todestag statt. Das Motto der Herrenchiemsee Festspiele 2017 lautet „Von Gott und Göttern – Barocke Wege“.

Foto: Spiegelsaal Schloss Herrenchiemsee c) Veranstalter

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