■ 24. August bis 20. September 

www.meranofestival.com 

500 Konzerte in 34 Jahren: Dieses Musikfest ist ein Highlight in der europäischen Klassikszene.

Der Anfang war bescheiden: Am 17. August 1986 eröffnete das Trio Aurele Nicolet ein kleines Klassikfestival. Auf der engen Bühne des Meraner Stadttheaters mit seinen 300 Sitzplätzen war damals Kammermusik zu hören. Heute – nach 498 Konzerten – ist alles anders: In mehr als drei Jahrzehnten wurde das südtirol festival merano . meran behutsam zur einer qualitativ hochwertigen Veranstaltungsreihe mit mehreren Sparten ausgebaut. Inzwischen entspricht das Angebot den Ansprüchen eines modernen Musikfestivals: Bespielt werden attraktive Spielorte in Meran und Umgebung, die Konzerte sind miteinander verzahnt.

Wer sich Ende August bis Ende September in der Thermenstadt aufhält, kann fast täglich Interpretinnen und Interpreten unterschiedlichster Stilrichtungen hören, ohne diese Ferienregion verlassen zu müssen – wobei man in Meran traditionell nicht auf „Masse“, sondern auf „Klasse“ setzt. Das Konzertprogramm 2019 belegt diese Entwicklung: Am 24. August setzt Sir Simon Rattle, der mit dem London Symphony Orchestra anreist, als Haydn-Fan und minuziös vorgehender Brahms-Interpret zwei seiner Lieblings­stücke auf das Programm des Eröffnungskonzerts. Zwischen der 86. (Haydn) und der 2. Sinfonie (Brahms) zeigt er mit Brittens Young Person’s Guide to the Orchestra wie die Mechanik einer sinfonischen Klangmaschine funktioniert. Am folgenden Abend verbindet der Magier am Dirigentenpult – im Rahmen des 500. Konzerts des Festivals – die Leidenschaft und ekstatische Lebensfreude von Dvoráks Slawischen Tänzen mit dem Schönklang von Rachmaninoffs 2. Sinfonie.

Die sinfonische Reihe „classic“ ist nach wie vor der Kern dieses Premiumfestivals: So verbinden Iván Fischer und das Budapest Festival Orchestra die von Hector Berlioz meisterhaft arrangierten Orchesterlieder Les nuits d’été mit Tschaikowskys rätselhafter Pathétique und Daniel Hope stattet in Meran dem Wunderkind Mozart einen Besuch ab und hat dabei auch noch Haydn und Gluck im Gepäck. Nur zwei Tage später lässt er auf Barockhits von Geminiani, Händel, Bach und Vivaldi in einer Late-Night-Zugabe Ohrwürmer von Bernstein und Gershwin folgen. Altmeister Trevor Pinnock bringt eines der besten Barockorchester mit und kombiniert mit dem Countertenor Jakub Józef Orliński ebenfalls Händel und Vivaldi. Der Doyen der russischen Dirigenten Yuri Termikanov und der Pianist Olli Mustonen widmen sich Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, bevor nach der Pause Dvoráks 9. Sinfonie folgt, und Philippe Herreweghe, ein Star der historisierenden Aufführungspraxis in der „alten“ Musik, entschlüsselt Bruckners spätromantische Tonsprache. Am 20. September leitet Kristjan Järvi das Abschlusskonzert der Festivalsaison 2019: Das mit jungen Musikerinnen und Musikern besetzte Baltic Sea Philharmonic aktualisiert barocke Repertoirestücke und landet mit dem 3. Klavierkonzert von Philip Glass in der Gegenwart.

Meran genießt bei Klassikstars einen ausgezeichneten Ruf. Die Festspielatmosphäre auf der Kurpromenade, die subtropische Vegetation, das architektonische Jugendstilensemble aus Kurhaus und Pavillon des Fleurs, die Blechbläsertruppe, die vor den Konzerten auf dem Balkon des Konzertsaals aufspielt: Ein Aufenthalt in Meran ist etwas Besonderes.

Die Kurstadt als Wohlfühloase im aufreibenden Konzertbetrieb – auch das steckt hinter dem Erfolg des südtirol festival merano . meran. 2007 verlängerte Martha Argerich ihren Aufenthalt, um im Pavillon des Fleurs ungestört üben zu können. Thomas Quasthof und Weltmusikerin Maria João gaben in Meran ihr einziges gemeinsames Konzert. Sir John ­Eliot Gardiner, der in der Meraner Pfarrkirche eine CD seiner Bach Cantata Pilgrimage eingespielt hatte, wollte hier heiraten.

Heute umfasst der prall gefüllte Festivalkalender sieben „Marken“ die unterschiedlichen Standorten zugeteilt sind: das sinfonische Programm im Kursaal („classic“), Kammermusik im Pavillon des Fleurs („matineé classique“), Cross-Over-Projekte im Stadttheater („colours of music“), Barockmusik im Palais Mamming, im Kursaal und in den Meraner Kirchen („barocco“) sowie die A-cappella-Konzerte („vox humana“) und das „young artists portrait“ in den Schlössern und Kirchen des Meraner Umlands. In diesem Jahr kommt das Format „mystica“ mit magischen, religiösen und spirituellen Klängen in den Kirchen von Partschins, Marling und St. Leonhard hinzu. Ergänzt wird dieses Bouquet aus herausragender Musik durch das „Nachtkonzert“ mit Stars wie Ute Lemper, Giora Feidman, Michael Nyman, Egberto Gismonti oder Bobby McFerrin, die eher selten auf Klassik-Festivals zu hören sind.

„Wir erreichen mit diesem Angebot unterschiedliche Zielgruppen, die aber auch von einer Kategorie zur anderen wechseln können“, sagt der künstlerische Leiter des südtirol festival merano . meran, Andreas Cappello. Zudem gebe es im Bereich der Weltmusik oder des Jazz „reizvolle Projekte, die sehr gut nach Meran passen“. Kurz: „Man tut eben ganz einfach das, was einem am besten gefällt“.

Dazu gehören – um nur einige Highlights aus dem Konzertprogramm 2019 zu nennen – der gefeierte Jazzpianist, Musik-Erfinder und Querdenker Michael Wollny (11.9.), das Ensemble Los Temperamentos, das Musik aus Europa und Lateinamerika zu einem lebendigen und innovativen Konzerterlebnis verbindet (16.9.), der ECHO-Preisträger Bertrand Chamayou (14.9), das Schumann Quartett (27. und 28.8.) – eines aufregendsten jungen Kammermusik-Ensembles der Gegenwart – und das Orchester der Stimmen Chanticleer aus Los Angeles (6.9.). Im Nachtkonzert (5.9.) stellt sich mit Richard Galliano eine Legende vor. Mit rasanter Technik verwandelt der Franzose seine „Ziehorgel“ ein vielseitiges Allround-Instrument. Wenn seine Hände akrobatisch über die Tastatur wirbeln, werden Erinnerungen wach – an die Schwarz-Weiß-Filme mit Jeanne Moreau und Jean Gabin, die melancholischen Musette-Walzer, die Treppen und verwinkelten Gassen des Montmartre und die Poesie des alten Paris.

Informationen/Karten: Tel. +39 0473 496030, www.meranofestival.com 

 Foto Kristian Järvi © Damian Pertoll 

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